Presse zu Notaufnahme/Hospitali

Interview Corinna di Bodisco mit Regisseur Christoph M. Gosepath in -> Tagesspiegel Leute Kreuzberg vom 20.9.2018

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Esther Slevogt betrachtet das Treiben auf Berlins Bühnen -> taz vom 13.9.2018

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Richard Pettifer schließt in seinem ->Blogbeitrag auf Theaterstück vom 21.9.2018:

„As you might expect from a piece developed by experrts on the subject, Notaufnahme – Hospitali doesn’t trade in cliche of mental illness that might be found in other texts. Instead, Club Tipping Point deliver an informed criticism of imbalances in medical treatment for mental illness, including processes of interrogation („Keine Aussage ist auch eine Aussage“), imbalances as a hangover from colonisation of Africa, and the objectives of health companies operating there.

The size of the ideas means that Notaufnahme – Hospitali will never be error-free, but it’s worth seeing just for the scale of ambition, and there is no doubt plenty of work to come in the same field of research. Testimony to the realisation of the project’s educational function is the Q&A, where Gosepath steps onto the stage to answer questions from the audience. Apparently, we wanted to know what is the difference between someone who is mentally ill and someone who is not (apparently it’s never clear, but for example, not being able to distinguish the self from the environment) and something about the feeling of having one’s thoughts stolen from them. Such interesting insights are a hallmark of the material of the show, benefiting from a type of interdisciplinary learning between theatre and science.“[su_divider]

ctp 4.0 Lutindi, ein Ort der Kontraste

Lutindi2
Foto: Judith Fraune

Regenwald. Grün, grün, grün, alles ist so grün, dass man sich kaum satt sehen kann. Lautes Grillenzirpen. Gärten. Fruchtbarkeit. Warmherzige Menschen. Verlorene Seelen. Einsamkeit. Fröhlichkeit. Traurigkeit. Nebel. Menschen hinter Gitterstäben. Viel Platz. Rufen. Flüstern. Stille. Patienten in ausrangierten Hemden und Pullovern der Bielefelder Polizei. Gesang. Gebete. Tee aus eigener Herstellung, der seeeehr süß serviert wird. Fünf Hunde, die an die fünf Freunde von Enid Blyton erinnern. Ein kleiner, schöner, trauriger Ort auf einem Berg mitten im Regenwald. Ist hier das Ende der Welt? Oder der Anfang?

Judith Fraune

 

ctp 4.0 Afrika – Recherche

„Ein Kranker ist nur krank in Bezug auf eine bestimmte Vorstellung von Gesundheit“

(George Morel, Question d’homme: l’autre, Aubier-Montaigne 1977, S.97)

Vor dem Hintergrund der Frage nach interkulturellen Unterschieden im Verständnis von Krankheit haben wir eine Reise nach Tansania gemacht. Wir haben Menschen mit psychischen Erkrankungen getroffen, Familienangehörige, Ärzte, Schwestern, Home Care Giver, Psychiater, Anthropologen, Schauspieler und Taxifahrer – wir haben Bücher gelesen und zugehört. Dies sind ihre Geschichten … (Forts. folgt)

Die Welt auf einer Hauswand in Bagamoyo, Tansania

ctp 4.0 Gespräch mit Dommo

Gespräch mit Dommo

Als ich Dommo das neunte Mal treffe, bleiben wir für 1 Stunde allein. Dommo spricht angeregt über die Totenfeier, die das Dorf in dieser Zeit für den Schmied vorbereitet, der vor kurzem gestorben ist. Plötzlich wird er unruhig und meint, die Ziegen seien in die Gärten eingedrungen. Er springt auf und geht schauen. Dann kommt er zurück und sagt, dass er sich getäuscht habe. Unvermittelt fragt er mich: „Warum kommen Sie hierher, um eine Stunde zu sprechen? Dann gehen Sie nach Sanga zurück und kommen wieder, um nochmals eine Stunde zu sprechen.“

Ich: „Wir sind von weither gereist, um die Dogon kennenzulernen. Wir wollen mit den Leuten reden, um zu verstehen, wie sie leben und denken und fühlen.“

Dommo: „Das kostet viel Geld. Warum tun Sie das?

Ich: „In unserem Land sind wir Ärzte und behandeln Menschen, die seelisch krank sind. Wir haben gelernt zu verstehen, was die Menschen bei uns unglücklich macht, wenn sie auch glücklich leben könnten. Wir sind zu den Dogon gekommen, um zu sehen, wie es hier ist.“

Dommo: „Ich verstehe; Sie kommen zu uns und sehen, dass alle glücklich und zufrieden sind. Dann gehen Sie wieder nach Hause und erzählen es dort. Aber warum machen Sie das: einfach so zum Vergnügen?“

Ich: „Zum Teil aus Freude, aber nicht nur deshalb.“

Dommo: „Sie tun das, um mehr zu wissen als die anderen, die in Ihrem Land leben?“

Ich: „Nicht, um mehr zu wissen als andere. Vielleicht werden wir die Menschen ganz allgemein besser verstehen als bisher.“

Dommo: „Bei uns ist es auch so. Man geht in die Fremde und lernt vieles kennen, was es hier nicht gibt. Man muss schlau sein im Leben. Weshalb aber kommen Sie zu uns, wo es nichts gibt? Warum gehen Sie nicht in die großen Städte? Dort gibt es Fabriken, Autos, Schulen, Kinos.“

Ich: „Wir sind zu den Dogon gekommen, weil wir wissen möchten, was in ihrer Seele vorgeht, wenn sie traurig oder fröhlich sind, wenn sie es im Leben schwer haben oder wenn es Ihnen gut geht.“

Dommo: „Sie wollen also wissen, wie die Dogonseele beschaffen ist. Mit dem werden sie nichts verdienen. Das kostet Sie nur Geld.“

Ich: „Sie haben recht. Damit verdienen wir nichts.“

Domo: „Voilà… Was Sie und Ihre Freunde hier tun, ist dasselbe, was wir tun, wenn wir bei der Totenfeier mit unseren Gewehren in die Luft schießen. Damit verdient man auch nichts. Das Pulver kostet viel Geld. Sie verstehen das und wissen, dass man einfach so in die Luft schießt, für nichts. Man tut es für die Seele. Auch aus Freude, gewiss, aber nicht nur deshalb. Es hat einen tieferen Sinn.“

So verstand Dommo unsere Absicht.

Aus: „Die Weissen denken zuviel“, Parin, Parin-Matthèy, Morgenthaler, Europäische Verlagsanstalt, Hamburg, 2009, S. 112-113.

 

ctp 4.0 Geschmack der Medizin

Mein Freund aus Gambia

Mein Freund aus GambiaEin Freund aus Banju, Gambia erzählt: „Die alten Leute in Gambia glauben noch an „herbs and roots“ – so wie sie an „ghosts“ glauben – Islam hin oder her – alte Leute eben …  Ich war oft bei meiner Grandma auf dem Land.  Wenn ich erkältet war, musste ich einen Sud trinken aus Blättern und Blüten, den meine Grandma gemacht hatte. Bah, es schmeckte fürchterlich – ich habe es oft wieder ausgespuckt.“

Ich überlege: warum schmecken moderne Pharmaka eigentlich nach gar nichts – und  Tropfen oder Hustensäfte süß? Weil sie ohne Pflanzen gemacht sind? Oder weil sie keine Wirkung haben?

ctp 4.0 Notaufnahme

Notaufnahme

Wir beginnen heute – in losem Zusammenhang – Beiträge zu veröffentlichen zum gegenwärtigen Stand des Projektes ctp 4.0 tryin’ africa – as an unfinished play. Eine Art Brainstorming, an dem wir die geneigte Öffentlichkeit teilhaben lassen wollen…

Den Auftakt macht eine Drehbucheinstellung:

INNEN – NOTAUFNAHME IN EINER KLINIK IN BREMEN – TAG

Notaufnahme
Quelle: Mondberg
Eine junge afrikanische Frau wird vorgestellt

Der sie begleitende Bruder, ein junger Mann, der kaum Deutsch, jedoch ein bisschen Englisch spricht, berichtet, dass seine Schwester an diesem Tag zu ihm gekommen sei aus Frankfurt, wo sie bei entfernten Bekannten wohne seit ihrer Ankunft in Deutschland vor ein paar Wochen. Sie versuche, dort Arbeit zu finden. Seit ein paar Tagen sei sie „seltsam“, sie sehe Dinge, die andere nicht sähen, sei misstrauisch, äußere häufig Angst – wenn sie sich überhaupt äußere – kaum noch rede sie– weder mit den Bekannten, noch mit ihrem Bruder, zu dem sie immerhin hilfesuchend gekommen sei.

Der herbeigerufene Psychiater findet die Frau am Boden liegend vor in der Notaufnahme, kaum ansprechbar. Ein Internist kümmert sich um die Notfallversorgung. Neben der Frau liegt eine Tüte mit staubig anmutendem grauem Mehl und einem Löffel. Andere Wartende geben an, die Frau habe einen Löffel von dem Mehl gegessen.

Der Bruder ist nicht mehr dabei.